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10.07.2018

Es ist selbstverständlich, dass Elektroingenieure neben Informatikern die Gestalter und Treiber der Digitalisierung sind.

Wo steht die Elektrotechnikbranche aktuell, welche Trends prägen sie und welche Chancen haben Elektrotechniker und – ingenieure auf dem Arbeitsmarkt beim Berufseinstieg? – Das und mehr haben wir Thomas Hegger vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) gefragt.“

WELCHE TRENDS PRÄGEN AKTUELL DIE ELEKTROTECHNIKBRANCHE?

Das sind momentan vor allem die Digitalisierung und die Mobilität. Bei ersterer ist insbesondere die Fabrikautomation bestimmend. Nach vielen Ideen und Schlagwörtern in den vergangenen Jahren sind die Unternehmen jetzt dabei, die Digitalisierung mit Leben und Anwendungen zu füllen. Künstliche Intelligenz (KI) wird zukünftig als Bestandteil der Digitalisierung mehr Bedeutung erlangen – aber eher ein Thema der Informatiker und Big Data-Analysten sein. Denn es geht dabei um die Auswertung und Analyse von Daten, die die Sensoren der Maschinen und Anlagen bereitstellen. Zum Bereich der Mobilität gehört das autonome Fahren, hier spielt für Elektroingenieure unter anderem die Entwicklung der Hardware, Software und Sensorik, die es Fahrzeugen ermöglicht zu ›sehen‹, eine Rolle. Der andere wichtige Bereich ist die Elektromobilität, wie beispielsweise Batterieladetechnologie, elektrische Antriebe – also Leistungselektronik und E-Motoren – und die Ladeinfrastruktur.

WIE WIRKEN SICH DIESE TRENDS AUF DEN ARBEITSMARKT FÜR ANGEHENDE ELEKTROINGENIEURE AUS?

Der seit einigen Jahren bereits sehr arbeitnehmerfreundliche Arbeitsmarkt wird sich noch weiter zugunsten der E-Ingenieure verschieben. Neben neuen Aufgabengebieten und Stellen in der elektrotechnischen Industrie werden sich weitere Aufgabenfelder im Maschinen- und Anlagenbau im Rahmen der Industrie 4.0 und in der Fahrzeugindustrie für Elektrotechniker ergeben. Gerade in den letzten Jahren haben diese beiden Branchen vermehrt Ingenieure der Elektrotechnik eingestellt.

WIE KÖNNEN ELEKTROINGENIEURE DIE DIGITALISIERUNG VORANTREIBEN?

Elektroingenieure sind neben Informatikern die Gestalter und Treiber der Digitalisierung. Sie bringen beispielsweise Know-How in der Informationstechnik, der Softwareentwicklung und der Sensorik mit. Insbesondere wenn es um Systemwissen geht, sind sie unschlagbar.

IN WELCHEN BEREICHEN KÖNNEN ABSOLVENTEN DER ELEKTROTECHNIK TÄTIG WERDEN?

Elektroingenieure sind heute in allen Branchen tätig: Neben der Elektroindustrie vor allem auch im Maschinenbau – zudem bieten sich Chancen im Dienstleistungsbereich, zum Beispiel bei Versicherungen, Banken und Unternehmensberatungen.

WAS RATEN SIE STUDIERENDEN, UM BEI SO VIELEN MÖGLICHKEITEN DEN RICHTIGEN BERUFSWEG FÜR SICH ZU FINDEN?

Studierende sollten im Studium ihren Neigungen folgen und das tun, was ihnen Spaß macht und sie motiviert. Den wenigsten Studierenden wird dies am Anfang des Studiums bewusst sein. Von daher sollten sie versuchen, in möglichst viele Themengebiete hineinzuschnuppern – sei es über Vorlesungen, Praktika oder Praxissemester. Grundsätzlich empfiehlt der VDE, das Bachelorstudium breit anzulegen, um möglichst viele Bereiche der Elektrotechnik kennenzulernen und sich ein weites Basiswissen anzulegen. Im Masterstudium sollte dann die Spezialisierung auf die Fachrichtung erfolgen, in der sich die Studierenden wiederfinden. Wird die angestrebte Spezialisierung nicht an der bisherigen Hochschule angeboten, bietet sich ein Wechsel an.

WELCHE QUALIFIKATIONEN SIND FÜR EINEN REIBUNGSLOSEN BERUFSSTART NÖTIG?

Zunächst ist ein breites Fach- und Methodenwissen von Vorteil: Zum Beispiel ›Wie geht ingenieurmäßiges Arbeiten?‹, ›Was sind wissenschaftliche Methoden?‹, ›Wie analysiere ich ein Problem und entwickle Lösungen?‹. Je mehr Projekte Studierende im Studium gemacht haben, desto besser. Idealerweise entspricht die im Studium gewählte Vertiefungsrichtung dem technischen Gebiet, in dem der Absolvent eingesetzt wird.

WIE WICHTIG SIND SOFT SKILLS FÜR DEN EINSTIEG?

Beim Einstieg ist vor allem Offenheit für Neues nötig. Wer kommunikative Schwächen hat, sollte unbedingt daran arbeiten. Leistungsbereitschaft ist ebenfalls wichtig, diese bringen die Absolventen aber automatisch aus dem Studium mit.

Interview aus der aud!max Juli – August 2018 von Sabine Storch mit Thomas Hegger (Stellvertretender Vorsitzender des VDE-Ausschusses <Studium, Beruf und Gesellschaft> und Gesellschafter der Hegger Riemann & Partner Personalberatung in Berlin)